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  FÄLSCHUNGSPROBLEM IM NACHLASS VON IWAN PUNI РУ FR DE EN

Wie es bei jedem berühmten Maler der Fall ist, entging auch der Nachlass von Iwan Puni nicht der Aufmerksamkeit von Fälschern. Es gibt jedoch Gründe, die Punis Fall unterscheiden.

Man sollte beachten, dass Punis Werke aus der französischen Zeit selten gefälscht werden: Der Künstler hat eine ganze Menge davon geschaffen (mehr als tausend), daher sind die Preise für die späten Werke nicht so hoch wie für die frühen; außerdem sind sie nicht so leicht zu fälschen. Aber seltene Avantgarde-Stücke aus der St. Petersburger Zeit (kubo-futuristisch, suprematistisch, lettristisch) können, wenn man Glück hat, für Millionen verkauft werden, und sie sind relativ einfach herzustellen bzw. scheinen so zu sein.

Alle Puni-Fälschungen lassen sich in zwei große Gruppen einteilen.
Bei Fälschungen der ersten Art handelt es sich um gewöhnliche Fälschungen mit Gewinnstreben, die von Betrügern unter Einsatz angeheuerter anonymer Kunsthandwerker hergestellt werden. Solche Puni-Fälschungen tauchten erstmals in den 1960er Jahren auf dem Markt auf, nachdem das Interesse an der russischen Avantgarde weltweit zunahm. In diesen Jahren organisierte Xenia Boguslawskaja, Punis Witwe, eine nach der anderen seine retrospektiven musealen Ausstellungen. Gab es jedoch in der Zeit vor dem Zusammenbruch der UdSSR nur vereinzelte Fälschungen, so wurde der Kunstmarkt in den 1990er Jahren regelrecht überschwemmt mit nach der russischen Avantgarde stilisierten Dingen mit der Signatur "Puni" sowie "Kljun", "Gontscharowa", "Rosanowa" usw. d. Ein typisches Beispiel für solche Pseudo-Punis sind vier von Museum Ludwig 1993 erworbene Objekte mit Zertifikaten von Berninger.
Vier Pseudo-Punis aus dem Museum Ludwig, erworben 1993 mit Zertifikaten von Berninger. Eine vom Museum im Jahr 2020 veröffentlichte technische Untersuchung widerlegte die Autorenschaft von Puni.

Hier kommen wir zu den Umständen, die Puni-Fälschungen von anderen unterscheiden. Diese Umstände sind mit den Namen Xenia Boguslawskaja und Herman Berninger verbunden. Xenia Boguslawskaja (Xana) war die Ehefrau, treue Verbündete und persönliche Managerin von Iwan Puni. Sie widmete ihr Leben der Unterstützung ihres Mannes und nach seinem Tod der Popularisierung seines Werks. Herman Berninger war ein Monosammler von Puni, der von Xana einen Teil ihres Archivs erhalten hat.

Berninger veröffentlichte zwei Bände des von Xana zusammengesetzten Werkverzeichnisses von Puni (der erste Band 1972, der zweite zwanzig Jahre später 1992) und begann dann plötzlich, im großen Umfang Fälschungen seiner frühen Gemälde zu kaufen und diese Pseudo-Punis mit Echtheitszertifikaten auszustatten. Höchstwahrscheinlich hat sich der ältere Sammler (1992 war er 81 Jahre alt) in gutem Glauben geirrt. John Bowlt erinnert sich, dass Berninger als ehrlicher und aufrichtiger Mann wirkte, der von der plötzlichen Gelegenheit, seine Sammlung zu erweitern, geblendet war und mit Hilfe einer russischen Kunsthistorikerin (siehe dazu den Artikel von Hubertus Gassner) begann, Fälschungen zu erwerben, und tat dies in der Überzeugung, dass die Gemälde echt seien. Berninger liebte die spätere Kunst Punis, doch seine frühe Kunst scheint ihm unverständlich geblieben zu sein. Die traurige Apotheose von Herman Berningers Tätigkeit war die von ihm 2003 in Basel organisierte Ausstellung, bei der unter anderem 26 gefälschte "Ladenschilder" vorgeführt wurden und im Ausstellungskatalog auf S.131-133 eine erstaunliche Legende über ihre Entstehung aufgestellt wurde:
"Es stellte sich heraus, dass Puni nach der Oktoberrevolution, als er von Lunatscharski, dem Kultur-Kommissar, zum Professor der reformierten Kunstakademie ernannt wurde, seine Fähigkeiten für die Modernisierung öffentlicher Räume zur Verfügung stellen musste. […] So entstanden von der Hand Punis eine Reihe von Auftragsarbeiten von zeitloser Modernität […] in einer Schreinerwerkstatt, in Apotheken, Musikgeschäften, Tabakläden, Spielsalons, Spezereigeschäften, Uhren- und Waffengeschäften, Fassbindereien, Reparaturwerkstätten und dergleichen. […] Diese Arbeiten wurden vom Kulturministerium in Auftrag gegeben und von dort auch das Material hierfür, die Farben und Bildträger - wegen des Mangels an Leinwand häufig Holztafeln - den Künstlern zur Verfügung gestellt, die die Werke dann dort abzuliefern hatten. […] Mit dem Bannspruch Stalins in den zwanziger Jahren gegen alle Schöpfungen der Avantgarde in Kunst und Literatur sind diese einzigartigen Beiträge zur Erneuerung des Stadtbildes aus den öffentlichen Räumen, für die sie bestimmt waren, entsorgt worden".

Die von Berninger zertifizierten Kunstwerke (darunter natürlich auch echte) gelangten teils in zahlreiche Privat- und Museumssammlungen, teils tauchen sie immer noch auf dem Kunstmarkt auf.

Beispiele von Pseudo-Puni aus dem "Iwan Puni-Archiv, Zürich" von Herman Berninger. Fotos aus dem Katalog der Ausstellung 2003 in Basel (0,10 Iwan Puni. Werke aus der Sammlung Herman Berninger, Zürich und Fotografien der russischen Revolution aus der Sammlung Ruth und Peter Herzog, Basel. Ausstellungskatalog Museum Jean Tinguely, 2003).

Eine nicht so ominöse, aber nicht weniger dramatische Rolle spielte Xenia Boguslawskaja (1892-1972). Sie machte es sich zur Lebensaufgabe, Punis Werk zu fördern: Sie organisierte seine Ausstellungen, schenkte seine Werke an Museen, verkaufte sie an Privat- und Museumssammlungen und druckte Reproduktionen. Sie wollte das Werk ihres Mannes in seiner ganzen Fülle und Brillanz präsentieren, doch ein Problem stand ihr im Wege: Die meisten frühen Werke Punis blieben in Russland. Xana unternahm alle Anstrengungen, um an sie heranzukommen, musste jedoch feststellen, dass viele frühe Werke entweder verloren oder unzugänglich waren. Dann wagte sie, einige davon selbst wiederherzustellen. So entstand eine Reihe von Reliefs, Gouachen und Linolschnitten. Man hätte nichts einzuwenden, wenn Xana ihre Rekonstruktionen offen mit ihrem Namen und Datum unterzeichnet hätte. Sie entschied sich jedoch dafür, diese rückwirkend ihrem Mann zuzuschreiben, offenbar davon ausgehend, dass sie als professionelle Künstlerin und Gleichgesinnte in der Lage war, seine Werke vollständig und identisch zu rekonstruieren. Im Vergleich zu groben Fälschungen erster Art behalten diese Arbeiten den Stil des Autors bei, zeichnen sich durch eine höhere Ausführungsqualität aus und sind oft schwer zu identifizieren. Vielleicht sollte man sie nicht einmal als Fälschungen bezeichnen, denn im Grunde sind es Rekonstruktionen oder Reproduktionen, die von der Frau des Künstlers autorisiert sind.

  Beratung zur Echtheit von Werken von Iwan Puni

In der Fachwelt herrscht die begründete Meinung, dass von allen Werken der russischen Avantgarde, die nach 1990 auf den Kunstmarkt kamen, mehr als 90 % gefälscht waren; Siehe dazu beispielsweise die Materialien des Symposiums und der Ausstellung "Russische Avantgarde im Museum Ludwig - Original und Fälschung" (2020). Diese Behauptung gilt uneingeschränkt auch für Werke, die dem frühen (vor 1923) Puni zugeschrieben werden. Mit so einer Konzentration von Fälschungen kann es keine Rede von der Authentizitätsvermutung geben – das heißt, es ist grundsätzlich vernünftig anzunehmen, dass es sich bei einem solchen Werk um Fälschung handelt, und seine Authentizität gilt nur dann als erwiesen, wenn überzeugende Argumente vorliegen.

Interessenten können sich auf der Website über die Echtheit der Werke von Iwan Puni beraten lassen. Die Beurteilung, ob ein Werk authentisch ist, erfolgt anhand einer Reihe von Kriterien, zu denen in erster Linie die Provenienz und die Übereinstimmung mit dem Stil des Autors gehören (kunsthistorische Expertise). Die Stilkenntnis wird durch langjähriges Studium von Werken des Künstlers, seiner kreativen Entwicklung, Biografie, Ausstellungen und Veröffentlichungen erlangt.
Unsere Erfahrung zeigt, dass das künstlerische Niveau von Puni-Fälschungen in den meisten Fällen so niedrig ist, dass für deren Identifizierung keine technische Untersuchung erforderlich ist: eine kunsthistorische Expertise reicht aus.

Eine Identifizierung der von der Witwe des Künstlers autorisierten Rekonstruktionen erfordert fundierte Kenntnisse des historischen Kontexts. In manchen Fällen können Zweifel nicht ohne Prüfung des Materialalters ausgeräumt werden, dann ist für die endgültige Attribution eine technische Expertise erforderlich.

Wie jedes Gutachten, spiegelt auch unsere Beurteilung die Meinung eines Experten wider, erhebt keinen Anspruch auf absolute Wahrheit und ist probabilistischer Natur. Eine Authentizitätswahrscheinlichkeit von 100 % würde die absolute Überzeugung des Experten in der Echtheit des Werkes bedeuten, und eine Authentizitätswahrscheinlichkeit von Null entspricht der absoluten Sicherheit, dass es sich um eine Fälschung handelt; Zwischenwerte spiegeln den Grad der Zweifel an der Autorschaft, an der Ungewissheit der Herkunft usw. wider.