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  LITHOGRAFIEN РУ DE EN

Farblithographien von Puni sind nicht selten auf dem Kunstmarkt; diese Blätter sind nie datiert. Rechts unter dem Bild tragen sie meist eine Faksimile-Signatur (Werkstattstempel) "Pougny", links steht die Nummer aus der Auflage. Diese Lithografien entstanden dank Bemühungen von Xana, die in der Familie Puni für die Vermarktung künstlerischer Produkte verantwortlich war. Zwischen 1958 und 1970 veranstaltete sie etwa zwanzig Retrospektivausstellungen ihres Mannes, für die sie jeweils ein oder zwei seiner Gemälde zur Reproduktion auf Plakaten auswählte. Die Gemälde wurden im Maßstab 1:1 im lithografischen Verfahren reproduziert. Von denselben Steinen wurden auch Lithografien ohne Text gedruckt, deren Auflage zwischen 100 und 300 Exemplaren lag. Im Gegensatz zu Originallithografien, bei denen der Künstler selbst auf Stein zeichnet, handelt es sich bei allen Farblithografien Punis um Reproduktionen. Darunter sind auch Werke, die zu Lebzeiten des Künstlers gedruckt wurden; Einige Blätter dieser Lithografien wurden von Hand signiert.
In der kleinen Monographie, die Gindertael im Februar 1957 – zwei Monate nach Punis Tod – veröffentlichte, sind sechs zu Lebzeiten gedruckten Lithografien aufgeführt. Alle sind mit 1956 datiert: eine Schwarzweiß- und zwei Farblithografien, herausgegeben von der Genfer Guilde de la Gravure, sowie drei Lithografien für das Plakat der letzten Ausstellung von Puni in der Galerie Marcel Coard. Eines dieser Plakate weist auf den Ort des Drucks hin – "Litho Marcel Manequin _ Paris". Die Frage, welche Schwarz-Weiß-Lithographie Gindertael im Sinn hatte, bleibt offen; Jedenfalls wurden Sonderexemplare seiner Monographie durch drei Federlithografien nach Punis Zeichnungen ergänzt, diese Blätter waren jedoch nicht signiert.

Lithografien, gedruckt 1956 zu Lebzeiten von Iwan Puni.
Editions Guilde de la Gravure (Genf): drei Lithografien in 8 Farben – "Strand", "Stillleben mit Keramikfiguren" und "An der Marne".
Drei Plakate für die Ausstellung in der Galerie Marcel Coard (3.-24. März 1956). Die Lithografien von Plakaten wurden auch einzeln gedruckt, ohne Text.

Puni selbst zeigte keine nennenswerte Neigung für die Lithografie, und das ist nicht überraschend. Nach seinem Umzug nach Paris vertiefte er sich immer mehr in die Entwicklung malerischer Probleme und interessierte sich besonders für Oberflächenstrukturen und spontane Effekte, die durch sichtbare Reliefstriche auf einer alten Leinwand mit Krakelees und Abrieb entstehen – alles, was ein Gemälde einzigartig macht und was der Lithografie fehlt - mit ihrer flachen Oberfläche und hohen Auflage.
Auch vor seinem Umzug nach Paris zeigte Puni kein Interesse an Lithographie, jedoch wurde diese Technik in Petrograd zur Reproduktion einiger seiner Zeichnungen verwendet, und das Werkverzeichnis enthält bestimmte Angaben dazu. Nehmen wir sie unter die Lupe.
Es ist bekannt, dass das Material für das Werkverzeichnis von Xana vorbereitet wurde. Sie datierte Iwans erste Erfahrung mit Lithografie mit 1913. Es handelt sich um Zeichnungen, die im Sammelband "Brüllender Parnass" reproduziert wurden, dessen Herausgeber Puni selbst war (mit Unterstützung von Matjuschin) und welches von einer Gruppe von Futuristen (Chlebnikow, Majakowski, Liwschits, Burljuk usw.) in der Punis Wohnung vorbereitet wurde. Unmittelbar nach der Veröffentlichung wurde das Sammelband von der Zensur beschlagnahmt.
Entgegen den Angaben im Werkverzeichnis wurden die Abbildungen des Sammelbands "Brüllender Parnass" nicht im lithografischen Verfahren gedruckt. Darauf wurde der Experte für Druckgrafik und antike Bücher Peter Druzhinin aufmerksam: "Die Veröffentlichung wurde in der Druckerei von A. Lawrow und Co. im Hochdruckverfahren gedruckt, alle Zeichnungen sind im Satz enthalten und im Buch mittels Zinkografie reproduziert, einschließlich der Umschlagsillustration".
Außerdem enthält dieser Sammelband entgegen den Angaben im Werkverzeichnis nicht drei, sondern vier Zeichnungen von Puni: auf dem Umschlag und auf den Seiten 58, 83 und 88. Diese "wilden" Zeichnungen sind charakteristisch für Iwans damalige Leidenschaft für Fauvismus und sehr passend für die "wilden" Texte der futuristischen Dichter.

1913. Vier Zeichnungen von Iwan Puni, reproduziert in Zinkografie im Sammelband "Brüllender Parnass" (1914)

Wenn Zeichnungen aus dem "Brüllenden Parnass" aus der Liste der Lithographien ausgeschlossen werden sollten, müssten die Zeichnungen aus einer anderen Ausgabe im Gegenteil einbezogen werden.
Es handelt sich um die Mappe „Helden und Opfer der Revolution“ von 1918, deren Blätter von lithografischen Steinen gedruckt wurden. Die Publikation wurde von IZO Narkompros zum ersten Jahrestag der Oktoberrevolution gemacht. Die Zeichnungen, die jeweils von einem bissigen Vers von Majakowski begleitet sind, wurden von Boguslawskaja, Koslinski, Makletsow und Puni geschaffen.
Von Punis Hand stammen 4 der 18 Charaktere: Arbeiter, Wäscherin, Dame und General. Im Werkverzeichnis werden sie nicht als Lithografien erwähnt, sondern nur im Abschnitt Zeichnungen beschrieben und mit Drucken aus dieser Mappe illustriert. Von 18 Originalzeichnungen 10 werden heute in GLM (Staatsmuseum für Geschichte der Russischen Literatur nach V.I. Dal, Moskau) aufbewahrt, aber die Zeichnungen von Puni sind nicht dabei. Da die Künstler selbst nicht auf Stein gezeichnet haben, handelt es sich auch hier um Reproduktionslithographien.

1918. Vier Lithografien nach den Zeichnungen von Iwan Puni: Arbeiter, Wäscherin, Dame, General. Aus der Mappe:
Герои и Жертвы Революции. Октябрь 1917 – 1918. Рисунки: Богуславской, Козлинского, Маклецова и Пуни. Текст: Владимира Маяковского.
Издание Отдела Изобразительных Искусств Комиссариата Народного Просвещения [sic]. Художественно-Графическое Ателье и Печатня М. Пивоварского. Петроград, Моховая, 8. [1918]

Im Allgemeinen scheint Xana den Unterschieden zwischen Lithografie und Zinkografie keine große Bedeutung beigemessen zu haben, weshalb es in zwei weiteren Fällen im Werkverzeichnis zu Verwirrungen kommt. Eines davon ist die Reproduktion einer Tuschezeichnung namens "Foxtrott", die Herwarth Walden 1921 in der Einladung zum "Sturm-Ball" am 8. März 1921, unmittelbar nach Punis Einzelausstellung in seiner Galerie, gedruckt hatte. Walden reproduzierte dieselbe Zeichnung 1926 noch einmal auf dem Umschlag seiner Zeitschrift. Beide Male wurde die gleiche zinkografische Platte verwendet, während diese Reproduktion im Werkverzeichnis als Lithografie beschrieben ist (Nr. 285).
Auch unter Nr. 286 und 287 finden sich im Werkverzeichnis zwei abstrakte Lithografien aus dem Jahr 1922, in Wirklichkeit handelt es sich natürlich um Linolschnitte – in allen Belangen mit den Linolschnitten Nr. 288–290 identisch. Alle fünf Blätter gehören zu einer Serie, die in der Zeitschrift MA Aktivista Folyóirat veröffentlicht wurde, siehe Rubrik LINOLSCHNITTE