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  MYTHEN UND FAKTEN ÜBER IWAN PUNI РУ DE EN

In der umfangreichen Literatur über Iwan Puni finden sich teilweise unzuverlässige Angaben. Sobald jemand sie veröffentlicht hat, sei es durch Missverständnisse oder mit Absicht, werden sie in Kopien und Kopien von Kopien verbreitet. Wir sind uns der Beständigkeit und Unausrottbarkeit dieser Mythen bewusst aber halten es dennoch für nötig, sie zusammen mit ihren Widerlegungen aufzulisten. Die Auflistung erfolgt in chronologischer Reihenfolge.

Mythos: Als Geburtsdatum von Iwan Puni wird 1892 oder 1894 angegeben; Geburtsort: Kuokkala. Die bisher maßgeblichste Veröffentlichung über Puni – ein zweibändiges Werkverzeichnis (1972 und 1992, hrsg. von Berninger) – nennt als Geburtsdatum von Iwan Puni den 22. Februar 1892, während in seinem dabei veröffentlichten Passbuch vom 1912 das Geburtsdatum als 22. Februar 1890 steht. Berninger bemerkt mit Bezug auf die Witwe des Künstlers, dass angeblich aufgrund einer formellen Notwendigkeit im Zusammenhang mit einer Erbschaft das Jahr 1890 anstelle von 1892 ins Passbuch eingetragen worden sei. Xana selbst gab für die zahlreiche posthume Ausstellungen Punis sein Geburtsjahr als 1894 an, und dies begann noch zu seinen Lebzeiten mit der Veröffentlichung in einer Pariser russischsprachigen Zeitung (В. Антонов. "По студиям русских художников. И.А. Пуни". Русские новости, 7 ноября 1952). Fakt: Iwan Albertowitsch Puni wurde am 22. März 1890 geboren und am 4. April 1890 in der Matvejewskaja-Kirche – der Pfarrkirche des Apostels Matthäus, Ecke Matvejewsky-Gasse und Bolshaja Pushkarskaja Straße in St. Petersburg, getauft. Punis Haus – Bolschoi pr. 56 – gehörte zu ihrer Pfarrei. Die Geburtsurkunde von Iwan Puni wurde im Oktober 2019 entdeckt (ЦГИА 19-125-1092) und veröffentlicht in: А. Родионов. Расшифровывая Пуни. Часть 1. Ранние годы. Вестник истории, литературы, искусства, т. XV, 2022, с. 144-162.
Der Geburtsort wurde in russischen Dokumenten, auch im Passbuch, in der Regel nicht angegeben, und falls erforderlich, wurde er durch die Lage der Kirche bestimmt, in der die Taufe stattfand. St. Petersburg wird als sein Geburtsort in den Dokumenten des Nikolajewski Kadettenkorps aufgeführt, in das Iwan 1902 eintrat (РГВИА, 317-1-856), sowie im Katalog des 30. Salons des Indépendants (Paris, 1914). In den Dokumenten des Nikolajewski Kadettenkorps wird sein Geburtsdatum als 22. Februar 1890 angegeben (im metrischen Buch - der 22. März 1890) – offenbar hat der Kopist bei der Erstellung eines Auszugs aus dem metrischen Buch den Monat verwechselt. Dieses Datum – der 22. Februar 1890 – wurde dann in das am 2. März 1912 in St. Petersburg ausgestellte Passbuch und alle weiteren offiziellen Dokumente übertragen und erscheint auch im Diplom über die Verleihung des Ordens der Ehrenlegion im Jahr 1952.
Eintrag aus dem Attestbuch des Nikolajewski Kadettenkorps, 1902
(РГВИА, 317-1-856)
Aus dem Katalog des 30. Salons des Indépendants, 1914

Seine französischen Dokumente nach 1923 gaben als Geburtsort Kuokkala an. Dieses Feriendorf, 40 km vom Zentrum St. Petersburgs entfernt, wurde erstmals in den Dokumenten von Iwan Puni in seinem vorläufigen Pass erwähnt, der am 31. August 1920 in Helsinki nach seiner Flucht aus Russland ausgestellt wurde. Vielleicht könnte der Hinweis auf Kuokkala irgendwie bei der Erstellung neuer Papiere durch die finnischen Behörden hilfreich sein. Kuokkala (von 1917 bis 1940 gehörte zum unabhängigen Finnland) hat tatsächlich in Iwans Leben große Rolle gespielt: Hier, im Haus seiner Eltern, verbrachte er jeden Sommer bis 1918. Es wurden jedoch keine Beweise dafür gefunden, dass Iwan dort geboren wurde; Es scheint immer noch wahrscheinlicher, dass Lydia Michailowna in der Stadt und nicht auf dem Land gebar. Wie dem auch sei, die Unsicherheit über den Geburtsort wird dadurch gemildert, dass Kuokkala (heute das Dorf Repino) zu St. Petersburg gehört. Man beachte, dass Iwan selbst sein Geburtsdatum (22. März 1890) kannte und es korrekt angab – zum Beispiel im Jahr 1915 im Bewerbungsformular bei seinem Eintritt in den Postdienst (siehe А. Родионов. Новое о выставке «0,10» и о ее организаторе Иване Пуни // Искусствознание, №1-2, 2020, с. 232-271).
Mythos: Die korrekte Aussprache des Nachnamens Puni erfolgt mit Betonung auf dem "i". Fakt: Vor 1923 wurde der Nachname des Künstlers mit Betonung auf der ersten Silbe ausgesprochen, nach 1923 auf der zweiten, daher sind beide Varianten der Betonung legitim. Im italienischen Nachnamen Pugni geht die Betonung auf den Anfang; So wurde er in Russland ausgesprochen, seit der Komponist Cesare Pugni 1851 nach St. Petersburg zog. Auch Dmitri Lichatschow, der als Kind mit der Familie Puni in Kuokkala bekannt war, erinnerte sich an die Betonung der ersten Silbe. Nach dem endgültigen Umzug von Iwan Puni nach Paris (1923) wechselte die Betonung auf das Ende und die Signatur wurde nach der Berliner "Puni" zunächst zu "Pougni" und ab 1925 zu "Pougny".
Mythos: Punis Freundschaft mit Victor Kerber (1894-1970) in Kuokkala. In elektronischen Veröffentlichungen von Kerbers Nachkommen finden sich angebliche Fotos von Iwan Puni aus den Jahren 1910–1911. Fakt: Tatsächlich wurden die Fotos mit Kerber nicht von Iwan Puni gemacht, sondern von jemand anderem. Da Kerber Punis Nachnamen auf die Rückseite geschrieben hat, ist es möglich, dass es sich um einen anderen Puni handelt, einen von Iwans Cousins.
Mythos: Iwan Puni nahm Zeichenunterricht bei Repin, einem Nachbarn in Kuokkala. Fakt: Repin unterhielt tatsächlich nachbarschaftliche Beziehungen zu Punis Vater, Albert. Es wurden jedoch keine Beweise für Iwans Zeichenunterricht bei Repin gefunden.
Mythos: Xenia Boguslawskaja war Dichterin und Herausgeberin vom "Brüllenden Parnass". Fakt: Xana eine Dichterin zu nennen, wäre eine große Übertreibung: Kein einziges Gedicht von ihr wurde veröffentlicht. Dennoch sind drei Gedichte von ihr bekannt, die sie am Ende des berühmten Vortrags von Malewitsch und Puni am 12. Januar 1916 las; Ihr Text ist nicht erhalten.
Die Herausgeber des Sammelbands „Brüllender Parnass“ (veröffentlicht Anfang 1914 und durch die Zensur verboten) waren Michail Matjuschin und Iwan Puni. Letzterer stellte vier seiner eigenen Zeichnungen und die Finanzierung zur Verfügung. Xana hat ihm wie immer tatkräftig geholfen. Die Treffen von Futuristen und die Arbeit am Sammelband fanden in Punis Wohnung statt (1913 lebten sie im Haus seiner Eltern an der Ecke Gatschinskaja Str. und Bolschoi Prospekt), und die Rolle von Xana wurde von Benedict Livshits im "Einundhalbäugigen Schützen" anschaulich beschrieben. Nachdem das Ehepaar Puni Anfang 1914 nach Paris abgereist war, übernahm Matjuschin die Verantwortung, und er musste u.a. ins Gericht gehen, nachdem die Auflage durch Zensur beschlagnahmt worden war.
Mythos: Vor 1920 muss Puni viel mehr Gemälde geschaffen haben, als im Werkverzeichnis aufgeführt sind, denn er war ein professioneller Künstler und musste ständig arbeiten. Fakt: Diese These wird in Fällen aufgegriffen, in denen es notwendig ist, die Einschleusung "neu entdeckter" Werke (Fälschungen) in den Kunstmarkt zu rechtfertigen; unter anderem erscheint sie im Katalog der unglückseligen Basler Ausstellung der Sammlung Berninger (2003). Vom Februar 1915 bis Juli 1918 arbeitete Puni als Postbeamter. Der öffentliche Dienst sorgte für die Einberufungsbefreiung, war jedoch eine Vollzeitbeschäftigung und ließ wenig Zeit für die Kunst. Einzelheiten gibt es unter: А. Родионов. Новое о выставке «0,10» и о ее организаторе Иване Пуни // Искусствознание, №1-2, 2020, с. 232-271.
Mythos: Um Finnland 1920 zu verlassen, erhielt Xana dank ihrer griechischen Mutter (Option: griechische Großmutter) griechische Visen für sich und Iwan. Fakt: Xana hat es tatsächlich geschafft, beim griechischen Konsulat Visen zu bekommen, mit denen das Ehepaar nach Deutschland kamen, aber was eine griechische Mutter/Großmutter betrifft, ist dies eine Erfindung, typisch für Xana. Sie war sehr unternehmungslustig und griff gern auf Mystifikationen zurück, um ihre Ziele zu erreichen. Ein ähnlicher Vorfall ereignete sich 1922 in Berlin, als es an der Zeit war, nach Paris weiterzugehen. Es war schwierig, ein französisches Visum zu bekommen, aber ein portugiesisches reichte aus. Xana hatte ein spektakuläres Aussehen und war in Berlin populär. Sie bezauberte den portugiesischen Gesandten (Veiga Simões) und erzählte ihm eine dramatische Geschichte, als wäre sie in China als Tochter des russischen Botschafters geboren worden und in seinem aristokratischen Haus aufgewachsen sei, das an ein kleines Museum voller chinesischer Kunst erinnerte. Der portugiesische Diplomat veröffentlichte in einer Lissabonner Zeitschrift einen begeisterten Artikel über Xana voller dieser Märchen (Veiga Simões. Sobre uma artista e a arte russa no exilio. Contemporanea, Nr. 3, 1922) und organisierte ein portugiesisches Visum für sie und Iwan – als wollte man in Lissabon eine Ausstellung organisieren. Mit diesem Visum zog das Ehepaar Puni im Herbst 1923 nach Paris. In Wirklichkeit diente Xanas Vater, Oberstleutnant Leonid Iwanowitsch Bogoslowski (01.01.1854 - 07.04.1902, "von den Beamtenkindern der Provinz Jaroslawl") in Odessa (wo Xana geboren wurde). Er hatte tatsächlich eine Verbindung zu China: 1898 kam er (zusammen mit seiner Familie) mit dem 12. Ostsibirischen Schützenregiment, zunächst als Kommandeur der 7. Kompanie, dann als Regiments-Versorgungsleiter in die Kwantung-Region an und vier Jahre später starb dort an Ruhr. Xanas Mutter, Wera Fedorowna (1859 - 16.08.1921; geborene Aladugina, Leutnants Tochter), zog nach dem Tod ihres Mannes mit Xana und ihrem älteren Bruder Leonid nach St. Petersburg und lebte von der Militärpension ihres Mannes.
Mythos: In kunsthistorischen Abhandlungen findet sich oft die Aussage, dass Puni in der "Modernen Malerei" (1923, Berlin, Hrsg. Frenkel) die Abstraktion kritisierte und mit ihr brach, dabei wird seine Passage zitiert: "Wir selbst haben einmal gesagt, dass 2x2 nicht vier ist, und jetzt wiederholen wir es 2x2=4 nur." Fakt: Bei sorgfältiger Lektüre wird klar, dass Puni hier seine frühere Position nicht leugnet, sondern im Gegenteil in diesem Satz die Technik anwendet, sich an die Kritisierten ("wir") psychologisch anzuknüpfen – als würde der Erzieher die Kinder tadeln, zum Beispiel: "Wir waren uns doch einig, dass wir schweigend essen und nun aber plaudern wir ununterbrochen." Generell analysiert Puni in der Broschüre "Moderne Malerei" die Kunst der Malerei tiefgreifend und geistreich, erläutert ausführlich sein Credo und leugnet keineswegs die Abstraktion. Dieses Buch enthält alle Schlüssel zum Verständnis der Kunst von Puni, einschließlich ihrer weiteren Entwicklung.
Mythos: Vera Lurie (1901, St. Petersburg – 1998, Berlin) ließ in ihren Memoiren, an denen sie in ihren letzten Lebensjahren arbeitete, den Satz: "Der Kubist Iwan Puni war ein gutaussehender Mann, interessierte sich aber überhaupt nicht für Frauen, obwohl er verheiratet war." Dieser Satz voller persönlicher Betroffenheit bietet Anlass zu Fehlinterpretationen. Fakt: Die männliche Schönheit von Iwan Puni wurde von vielen MemoirenschreiberInnen bemerkt. In einigen Memoiren finden sich Erwähnungen von Punis Affären, was angesichts der freien Sitten der 1920er Jahre nicht wundert. Zum Beispiel schreibt Lyudmila Miklashewskaya ausführlich über ihre Affäre mit ihm im Jahr 1925 (Л. Миклашевская. Повторение пройденного. СПб: Изд. Журнал "Звезда", 2012). Sie bemerkt auch, dass vor ihr im Jahr 1924 Puni eine Affäre mit Elsa Triolet hatte.
Mythos: Puni wurde 1947 mit einem Orden der Ehrenlegion ausgezeichnet. Fakt: Iwan Puni wurde 1952 Ritter der Ehrenlegion. Die Verleihungsurkunde und der Orden selbst werden in einer Privatsammlung in St. Petersburg aufbewahrt. Im Jahr 1947 erhielten er und Xana die französische Staatsbürgerschaft, ein entsprechendes Dekret wurde am 24. August 1947 im Journal officiel de la République française veröffentlicht.
Mythos: die Echtheit einiger Reliefs, Gouachen und Linolschnitte. Fakt: Die heikle Frage der Authentizität einer Reihe von Werken, die Puni zugeschrieben werden, wird im Abschnitt FÄLSCHUNGEN besprochen.